HNA Online

3.2.09

Schlichten, wenn′s knallt

Von Hans-J. Oschmann

"Es gibt eine Menge Streit bei uns", räumt Laura Wohlfahrt ein. Sie ist eine von den neuen Schlichterinnen, die von Rektor Rolf Huchthausen gerade eine Urkunde als Bestätigung für ihre Befähigung erhalten haben. "Das geht oft schon morgens im Bus auf der Fahrt zur Schule los", erklärt sie das tägliche Gerangel.

Immer im Doppelpack

Natürlich kommt es nicht immer zur Eskalation. Aber wenn, dann treten die Schlichter in Erscheinung, bitten die Streithähne zum Gespräch. Das passiert immer im Doppelpack. Auf der einen Seiten sitzen zwei Mediatoren, auf der anderen Seite die beiden Schüler, die sich gefetzt haben.

"Zunächst versuchen wir den Sachverhalt zu klären", plaudert Tobias Kirch über sein gerade frisch erworbenes Wissen. "Dann gehen wir der Ursache auf den Grund und versuchen, auf verschiedene Weise alles wieder auf gerade Bahnen zu lenken", fügt Laura Wohlfahrt hinzu. Am Ende des Gesprächs steht immer ein Schlichtungsvertrag, der mit den Widersachern geschlossen wird. Zwei Wochen später wird dann noch mal nachgefragt, ob alles in Ordnung ist.

Die jungen Schüler sehen in ihrer Aufgabe eine wichtige Funktion, die sie ernst nehmen und engagiert angehen, die ihnen aber auch Spaß macht. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Wogen glätten kann." Ganz wichtig ist für Laura und Tobias, dass die Fälle unparteiisch und neutral angegangen werden. Das funktioniert am besten, wenn zu den Schülern keine nähere Beziehung oder gar Freundschaft besteht.

Pädagogen gefordert

Die Pädagoginnen Helga Hagelüken und Rosemarie Elsaesser haben den jetzt zweiten Mediatoren-Jahrgang der Lindauer Lehranstalt auf seine Aufgaben vorbereitet. Arbeitslos sind sie bis zum neuen Kurs in zwei Jahren in diesem Bereich aber nicht.

Die jungen Mediatoren greifen nämlich nur ein, wenn es zwei Streithähne gibt. Sind drei oder mehr Schüler in einen Disput verwickelt, sind die Pädagogen gefordert.